Serious Seeds – Interview mit einem Hanfzüchter

 

In dieser Ausgabe stellen wir euch einen Hanfsamenzüchter vor, der sich seit Mitte der achtziger Jahre mit der Entwicklung neuer Cannabissorten beschäftigt. Er gehört damit zu den dienstältesten und renommiertesten niederländischen Züchtern überhaupt. Aber nicht, weil er so viele verschie­dene Sorten entwickelt hätte — im Gegenteil — seine Hanfsamenbank hat ein recht überschaubares Angebot. Für ihn zählt die »Klasse«, und nicht »Masse«. So hat er zwar nur eine Handvoll Sorten entwickelt, doch jede von ihnen ist bereits zu einem echten Klassiker geworden. Sorten wie »AK47« oder »Chronic« sind heute jedem Kenner ein Begriff.

Wir sprachen mit Simon über die Anfänge seiner Hanfsamenbank, seine ak­tuellen Projekte und die Zukunftsaussichten …

serious seeds hanfzuechter 01grow! Hallo Simon, wir haben dich vor einem Jahr für die DVD unserer »grow! special«-Aus­gabe zum Thema »seeds & genetics« intervie­wed, damals jedoch relativ kurz. Heute kön­nen wir etwas mehr ins Detail gehen. Erzähl uns doch, wie du überhaupt auf die Idee ge­kommen bist, eine Hanfsamenbank zu grün­den.

Simon: Ich habe verhältnismäßig spät damit begonnen, Cannabis zu rauchen. Bei uns in den Niederlanden wird Cannabis in der Regel mit Tabak gemischt konsumiert. Da ich aber keinen Tabak mag, war das Kiffen für mich anfangs nicht wirklich interessant. Ich moch­te zwar den süßlichen Geruch von Marijua­na, wenn also Freunde von mir kifften, fand ich das nicht schlimm. Für mich kam es aber nicht in Frage. Erst als ich im Rahmen meines Biologiestudiums einige Monate in Afrika ver­brachte, probierte ich zum ersten Mal Canna­bis. Dort wird Marijuana traditionell nur pur geraucht und als ich gefragt wurde, ob ich mi­trauchen wolle, dachte ich mir: Warum nicht?

grow! Das war vermutlich afrikanisches Gras? Simon: Ganz genau.

grow! Und wie war’s, hat es dir gefallen?

Simon: Ehrlich gesagt, habe ich beim ersten Mal gar nichts davon gespürt. Erst beim drit­ten Mal hat sich eine Wirkung eingestellt. Und die gefiel mir recht gut.

Als ich wieder zurück nach Holland musste, hatte ich mir Samen der besten afrikanischen Pflanzen mitgenommen, die ich dort finden konnte. Nicht alle Sorten von dort sind wirk­lich gut, doch einige haben ein gutes Poten­zial.

grow! In Afrika wachsen in erster Linie Sati­vas, oder?

Simon: Ja, hauptsächlich Sativas, die an das afrikanische Klima angepasst sind. Für den Ind00ranbau sind die aber weniger geeignet, weil sie riesengroß werden, sehr lange blühen und trotzdem nicht allzu viel Ertrag liefern.

grow! Und wo hast du die dann angepflanzt?

Simon: Zu der Zeit wohnte ich in Amsterdam und hatte einen Balkon, auf dem ich etwa zwanzig Pflanzen anbauen konnte. Damals war das noch kein Problem, weil kaum jemand überhaupt erkannte, dass es sich um Canna­bispflanzen handelte.

grow! Wann war das?

Simon: Das war 1986. Heute würde ich das nicht mehr wagen, denn entweder werden die Pflanzen von anderen »Hanffreunden« ge­klaut, oder die Polizei beschlagnahmt sie.

grow! Ja, da hat sich einiges verändert, lei­der nicht zum Guten. Rauchst du heute immer noch Cannabis?

Simon: Ja, aber nur abends, wenn meine Ar­beit erledigt ist. Und dann auch immer noch nur pur. Am liebsten benutze ich einen Vapori­zer, da ich mit dem Rauchen immer noch nicht so gut klarkomme. Wenn ich rauche, schme­cke ich zwischen den einzelnen Sorten keine Unterschiede, beim Vaporisieren schon.

serious seeds hanfzuechter 04grow! Rauchst du seit deinem Afrika-Aufent­halt täglich?

Simon: Im Prinzip schon. Doch nach einigen Wochen bekam ich damals Angst, jetzt canna-bissüchtig und »abhängig« geworden zu sein. Das machte mir große Sorgen. Aber einige Wochen später fiel mir dann auf, dass ich zwi­schendurch tagelang nichts gekifft hatte und es gar nicht vermisste. Das zeigte mir, dass ich wohl doch nicht so abhängig war, wie zwi­schenzeitlich befürchtet. Mittlerweile denke ich, dass es viel mit den Umständen zu tun hat. Wenn ich viel unterwegs bin oder viel zu tun habe, dann komme ich gar nicht dazu, zu kiffen. Und das ist dann auch überhaupt kein Problem. Entzugserscheinungen oder so et­was hatte ich zumindest nie.

grow! Hältst du das Kiffen grundsätzlich für gefährlich?

Simon: Mit der Frage hatte ich mich während meines Studiums auch beschäftigt. Ich hat­te mir Untersuchungen von verschiedenen Wissenschaftlern besorgt — was übrigens gar nicht so einfach war— die sich mit diesem The­ma beschäftigt hatten. Darin war aber von ei­ner Gefährlichkeit, wie sie etwa von Alkohol oder Nikotin ausgeht, nicht die Rede.

grow! Dennoch wird immer wieder gerne be­hauptet, das heutige Marijuana sei deutlich stärker als früher und würde zu psychischen Erkrankungen führen.

Simon: Ja, es wird sehr viel behauptet, nur lassen sich dafür keine wissenschaftlichen Belege finden. Wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie verbreitet solche psychischen Erkrankungen in den Jahren 1945 bis 1955 waren und sie mit dem Zeitraum von 1985 bis 1995 vergleicht, dann fällt auf, dass die Prozentzahlen im Wesentlichen gleich geblie­ben sind. Den Anstieg, der von vermehrtem Cannabiskonsum herrühren soll, den gibt es gar nicht.

grow! Wenn da tatsächlich etwas dran wäre, dann müssten die Krankenhäuser voll sein mit psychisch kranken Cannabiskonsumenten. Tatsache ist aber, dass es verhältnismäßig wenige Cannabiskonsumenten sind, die sich auf Grund ihres Cannabiskonsums in ärztliche Behandlung begeben müssen.

Simon: Ja, das ist wahr.

grow! Man stellt sich dann natürlich die Fra­ge, warum Cannabis dennoch weltweit geäch­tet und verboten wurde. Hast du dafür eine Er­klärung?

Simon: Ich denke, das hat im Prinzip nur mit Geld zu tun. Hinter dem Cannabisverbot steckt die pharmazeutische Industrie, die sehr viel Geld mit allen möglichen Medikamenten verdient, besonders mit Schlaf- und Beruhi­gungsmitteln. Darunter sind sehr suchterre­gende Substanzen, die bereits nach wenigen Wochen zu einer Abhängigkeit führen können. Davon sind viele Menschen betroffen, denen das zum größten Teil noch nicht mal bewusst ist. Sie könnten auch Cannabis als Beruhi­gungsmittel konsumieren, hätten dann aber mit deutlich weniger »Nebenwirkungen« zu kämpfen und es wäre auch billiger. Und davor hat die Pharmaindustrie Angst. Es ist nicht die angebliche Gefährlichkeit von Cannabis, die zu dem weltweiten Verbot führte, es ist die Angst vor einem guten und günstigen Heilmit­tel, das ihnen das Geschäft vermiesen könnte. Die Pharmaindustrie übt einen enormen Druck auf die Politik aus. Anders kann ich mir nicht erklären, warum die meisten Politiker die Un­wahrheit über Cannabis verbreiten und das ei­gene Volk belügen.

grow! In den Niederlanden entwickelt sich die Situation für die Hanfbranche eher zum Nega­tiven. Glaubst du, dass in Zukunft die Hanfsa­menbanken Probleme bekommen könnten?

Simon: Die niederländische Regierung hatte zwar vor ein paar Jahren angekündigt, auch gegen die Hanfsamenbanken vorzugehen, aber bisher habe ich davon noch nichts be­merkt. Ich denke, dass das Business mit den Hanfsamen in ihren Augen zu klein ist und zu wenig im öffentlichen Fokus steht, ganz im Gegensatz zu den Coffeeshops. Was die Cof­feeshops betrifft, gibt es zurzeit eine inten­sive Diskussion in den Niederlanden.

serious seeds hanfzuechter 03Was wir allerdings merken, ist die zuneh­mende Verfolgung der Grower. Für uns wird es immer schwieriger, unsere Samen zu pro­duzieren. Allein in diesem Jahr haben wir schon einige Räume verloren, weil die Polizei sie entdeckt und alles beschlagnahmt hat. Überhaupt ist zu merken, dass sich die Grower-Scene in den Niederlanden stark verändert. Früher waren die Gro­wer zum größten Teil ganz norma­le Leute, die für sich Cannabis an­gebaut haben. Wenn etwas übrig war, wurde es an die Coffeeshops verkauft. Die Qualität war in der Regel gut und die Preise moderat. Mittlerweile sind die Strafen aber so hart, dass sich „normale“ Leute gar nicht mehr trauen, Cannabis an­zubauen. Besonders der drohende Verlust der Wohnung schreckt viele davon ab. Und so etwas gibt es nur für Cannabis-Grower, dass sie ihre Wohnung verlieren können. Man kann jemanden umbringen oder Kinder vergewaltigen, seine Woh­nung verliert man deswegen aber nicht. Findet die Polizei aber einen Cannabisgarten, sitzt die ganze Fa­milie auf der Straße.

grow! Das ist ja absolut unverhält­nismäßig und ungerecht …

Simon: Ja, das ist es. Und es hat dazu geführt, dass es heute in Hol­land sehr viele Grower gibt, die aus einem kriminellen Milieu kom­men. Sie haben wenig zu verlieren und schrecken vor nichts zurück. Die Qualität des Cannabis ist ihnen meistens egal, es zählt nur noch die Masse und das schnell verdiente Geld. Und so ist zu erklären, warum die Qualität des Cannabis in den letzten Jahren stark zurückgegan­gen ist, während die Preise explo­dierten.

grow! Diese Entwicklung erinnert stark an die amerikanische Alko­holprohibition in den dreißiger Jah­ren. Das hatte ja zur Entstehung von kriminellen Strukturen geführt, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckten. Hoffen wir mal, dass es in den Niederlanden nicht soweit kommen muss …

Könntest du dir vorstellen, aus Hol­land wegzuziehen und von Spanien oder Kanada aus weiterzumachen?

Simon: Darüber habe ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Aber wenn es hier so weitergeht, werde ich mir dazu sicher noch meine Ge­danken machen.

grow! Lass uns noch etwas über die Entwicklung von Serious Seeds sprechen. Du hast eben erzählt, wie du deine ersten Pflanzen auf dem Balkon angebaut hast. Wie ist es dann zur Gründung deiner Hanfsa­menbank gekommen?

Simon: Ich hatte damals andere Grower kennen gelernt, mit denen ich Samen getauscht habe. So hatte ich unterschiedliches genetisches Material, aus dem ich neue Pflan­zen gekreuzt und selektiert habe. Irgendwann fragte mich jemand, ob ich nicht Samen von diesen Pflan­zen verkaufen wolle. So entstand die Idee, eine Hanfsamenbank aufzubauen. Anfangs habe ich mit zwei Amerikanern zusammengearbeitet, was aber aus verschiedenen Gründen bald wieder auseinanderging. Ich beschloss daraufhin, meine eigene Hanfsamenbank zu gründen, und das war dann Serious Seeds.

grow! Was waren deine ersten Sorten?

Simon: Zu den ersten Sorten gehörte die »AK47«, die »Kali Mist« und die »Chronic«. Später kamen dann die »White Russian« und die »Bubble Gum« dazu.

grow! Gibt es nicht auch eine neue Sorte?

Simon: Ja, du meinst bestimmt die »Serious Six«, aber mit der bin ich immer noch nicht ganz zufrieden. Bei dieser Sorte gibt es an­scheinend eine Tendenz zu Hermaphroditen, d. h. es kann passieren, dass sich zum Ende der Blütezeit männliche Blüten bilden. Deswe­gen möchte ich die eigentlich noch nicht ver­kaufen. Ich arbeite derzeit an diesem Problem und hoffe, es bald in den Griff zu bekommen. Für mich war das Ganze eine gute Lektion, erst dann eine neue Sorte öffentlich zu machen, wenn sie wirklich fertig ist. Ich werde ständig danach gefragt und dazu gedrängt, doch ein paar Samen davon zu verkaufen, aber wie ge­sagt, möchte ich das zurzeit noch nicht.

grow! Betrifft das die regulären oder die femi­nisierten Samen dieser Sorte?

Simon: Beide sind betroffen. Ich habe Samen an verschiedene Grower zum Testen gege­ben, um zu sehen, wie sich die Sorte bei ihnen macht. Als ich meine Versuche damit durchge­führt habe und sie durch Stressen zum Zwittern bringen wollte, war mir das nie gelungen. Die Pflanzen blieben weiblich, egal was ich versucht habe.

serious seeds hanfzuechter 02Ich hatte aber Reklamationen von Kunden, die sich darüber beschwert haben, dass zwei von zehn Pflanzen Hermaphrodit geworden sein sollen. Ich kann nicht beurteilen, ob das tat­sächlich die Wahrheit ist und woran das im Einzelfall liegt, dennoch nehme ich solche Be­schwerden sehr ernst.

grow! Bei deinen restlichen fünf Sorten gibt es solche Probleme nicht?

Simon. Nein, die sind sehr stabil, sowohl die regulären als auch die feminisierten Samen.

grow! Welche Samen bevorzugst du persön­lich, die regulären oder die feminisierten?

Simon: Das hängt davon ab, was ich erreichen will. Wenn es mir darum geht, eine Mutter­pflanze zu selektieren, von der ich Stecklinge schneiden möchte, würde ich reguläre Samen bevorzugen. Sollen die Pflanzen direkt zum Blühen gebracht werden, würde ich wohl die feminisierten wählen. Bei den feminisierten Samen ist das aber immer so eine Sache. Es gibt Seedbanks, die machen sehr gute und sehr stabile feminisierte Samen. Es gibt aber leider auch Firmen, die nicht so viel Wert auf Qualität legen und Samen verkaufen, die noch nicht wirklich okay sind.

Dasselbe gilt auch für viele der neuen auto­matisch blühenden Sorten. Ich habe den Ein­druck, dass viele dieser Sorten noch gar nicht gut genug sind, um tatsächlich schon verkauft zu werden. Doch der Drang schnell viel Geld zu verdienen, verleitet offenbar dazu, unfer­tige Sorten auf den Markt zu bringen. Dabei könnten die automatisch blühenden Sorten tatsächlich sehr interessant sein, wenn sie denn gut gemacht sind.

grow! Hast du dich selbst schon an den auto­matisch blühenden Sorten probiert?

Simon: Ja, ich habe jetzt die ersten Samen der »Auto White Russian« fertig. Doch die müssen noch ausgiebig getestet werden, bevor sie tat­sächlich in den Verkauf kommen können. Und das auch nur, wenn die Tests zu meiner Zufrie­denheit verlaufen sind.

Aber ich erwarte, dass sie ziemlich gut sind …

grow! Bei vielen Autoflowering-Sorten ist uns aufgefallen, das die zwar die Blüte selbst ein­leiten, aber doch recht klein bleiben, also we­nig Ertrag liefern, und vom Geschmack her auch nicht gerade überzeugen. Für wen sind solche Sorten denn gedacht?

Simon: Solche Sorten sind für den Outd00r-Anbau gedacht, besonders in den Gegenden, wo der Herbst vom Klima her ungeeignet ist, um die »normalen« Hanfsorten anzubauen. Das trifft in vielen Jahren auf ganz Mittel- und Nord-Europa zu, aber auch auf Länder wie Russland und Kanada. Den Growern in diesen Ländern könnte sehr geholfen werden, wenn sie gute Autoflowering-Sorten hätten.

Ich denke, dass wir noch ganz am Anfang stehen mit diesen Sorten. Sie sind zwar schon deutlich besser geworden, aber ich bin der Meinung, da geht noch viel mehr. Das sehe ich an unserer »Auto-AK47«, an der ich zurzeit arbeite. Die liefert bereits recht gute Erträ­ge, nur der Geschmack gefällt mir noch nicht ganz.

Unsere »Auto-White-Russian« ist da anders, die schmeckt sehr lecker, hat eine gute Wir­kung und liefert einen immerhin ordentlichen Ertrag. Ich hätte zwar gerne auch die AK47 als Autoflowering-Sorte angeboten, aber solange sie noch keine optimalen Ergebnisse liefert, muss ich noch daran arbeiten.

Es gibt aber von anderen Hanfsamenbanken Samen, die sie »Auto-AK47« genannt haben und bereits verkaufen. Doch die scheinen nicht ganz okay zu sein, zumindest riefen bei mir Leute an, die sich darüber beschweren wollten. Ich musste denen dann klar machen, dass die Samen gar nicht von uns stammen und sie bei mir falsch sind.

Es stellt für mich immer wieder ein großes Problem dar, wenn andere Seedbanks die Na­men unserer Sorten verwenden. Auch wenn wir nichts mit diesen Sorten zu tun haben, werden wir damit in Verbindung gebracht. Und wenn das minderwertige Samen sind, lei­det auch unser Ruf.

grow! Dem Samen selber sieht man nicht an, ob er keimfähig und die Genetik ausgereift, stabil und gut ist.

Simon: Das ist wahr, Samenkauf ist Vertrau­enssache, deshalb ist es mir so wichtig, dass der Name Serious Seeds nur mit hochwer­tigem Saatgut in Verbindung gebracht wird. Wenn man am langfristigen Erfolg interessiert ist, so wie ich, dann ist Vertrauen in die Pro­dukte entscheidend. Es geht sehr schnell, ei­nen guten Namen zu verlieren …

grow! Absolut richtig! Planst du auch, irgend­wann mit ganz neuen Sorten auf den Markt zu kommen?

Simon: Im Prinzip haben wir bereits seit An­fang diesen Jahres vier völlig neue Sorten im Programm. Ich habe nämlich die Genetik von »Magus Genetics« übernommen. Dazu zählen Sorten wie »Warlock«, »Biddy Early«, »Mota­vation« und »Double Dutch«. Das sind wirklich gute Sorten, die wir gerne weiter erhalten.

grow! Was ist mit »Exile«?

Simon: Von dieser und einer anderen Sorte gibt es leider keine Mutterpflanzen mehr. Ich habe davon zwar noch Samen übernommen, aber wenn die weg sind, gibt es die Sorte ei­gentlich nicht mehr.

grow! Könnte man nicht versuchen, sie zumin­dest als feminisierte Sorte zu erhalten?

Simon: Nein, das ist kaum möglich. Dazu müsste wieder ganz neu selektiert werden, und man hätte vielleicht etwas, was in der Nähe vom Original ist, ihm aber trotzdem nicht ganz entspricht.

Von der Methode, feminisierte Samen mit Hil­fe derselben Pflanze zu erzeugen, die also zur Selbstbestäubung angeregt worden ist, halte ich nichts. Das ist wie eine Kreuzung mit sich selbst zu machen. Das ist noch schlimmer, als würde man ein Kind mit dem eigenen Bruder oder der Schwester haben. Das sind meistens nicht die besten Kinder — genetisch gesehen. Und wenn man ein Kind mit sich selber hätte, wäre der Genp00l noch eingeschränkter, die

Wahrscheinlichkeit für »schlechte« Nachkommen noch mal größer. Und die Kinder unterscheiden sich in der Regel von ihren Eltern — mehr oder weniger — deutlich, sind also nicht völlig mit ihnen identisch.

Das Ganze lässt sich auch auf Pflan­zen übertragen. Dort äußert sich so etwas beispielsweise in merkwür­dig geformten Blättern und Pflan­zen. Eine Sorte zu erhalten, wenn man nur noch Samen hat, ist deshalb schwer möglich.

grow! Hast du zum Abschluss noch einen guten Tipp, immerhin trifft man selten jemanden, der sich so intensiv mit Cannabis beschäftigt hat?

Simon: Mir fällt gelegentlich auf, dass sich Grower viel Mühe während der Blüte- und Wachstumszeit ge­ben, wenn es aber ans Ernten geht, muss alles ganz schnell gehen. Da­bei ist die Ernte doch der Moment, in dem man dafür sorgen muss, dass die Arbeit der vergangenen Wochen oder Monate nicht vergebens war. So sollte das Trocknen so langsam wie möglich vonstatten gehen. Die Qua­lität sollte im Mittelpunkt stehen, also ein gutes Aroma und ein ange­nehmer Geschmack. Um das nach der Ernte zu erhalten, muss lang­sam getrocknet werden, am besten in einem dunklen Raum oder Kasten mit ausreichend Luftzirkulation.

Es sollte auch tabu sein, die Blüten direkt anzufassen. Dadurch werden die empfindlichen Harzkristalle be­schädigt und können verloren gehen. Die Pflanzenteile sollten deshalb nur an den Stängeln angefasst werden, erst beim Zerbröseln fürs anschlie­ßende Rauchen ist das Anfassen der Buds erlaubt.

Da ich auf Erde anbaue, stelle ich die frisch abgeschnittene Pflanze noch mal in einen Eimer mit sauberem und pH-neutralem Wasser, wo sie zwei Tage unter Licht weiter blühen und Photosynthese betreiben kann. Auf diese Weise wird sie auch die letzten Düngerrückstände in den Blüten um­gewandelt haben. Das macht einen großen Unterschied, denn die Blüten von unzureichend gespülten Pflan­zen schmecken kratzig und sind von geringerer Qualität. Anders, so ist meine Erfahrung, lassen sich Pflan­zen, die auf Erde gewachsen sind, nicht effektiv spülen.

grow! Quasi wie Tulpen, die noch ein paar Tage unter einer Lampe in der Vase weiterblühen?

Simon: Ja, genau so. Es ist aber wich­tig, regelmäßig klares, pH-neutrales Wasser nachzufüllen, da die Pflanze einen mächtigen Durst hat. Aber die Methode funktioniert gut und liefert gute Ergebnisse.

Weitere Infos über Simons Hanfsa­menbank Serious Seeds findest du im Internet unter

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