Interview mit einem Hanfzüchter – Gerrit von Magus Genetics

 

Wer sich heutzutage mit Cannabis und seinen unterschiedlichen Sor­ten beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es mittlerweile so viele von ihnen gibt, dass ihre Vielzahl kaum noch zu überblicken ist. Seit rund 30 Jahren wird Cannabis mehr oder weniger professionell gezüchtet und zu neuen Sorten entwickelt. Einige Hundert Varietäten sind mittlerweile auf dem Markt, obwohl in den meisten Ländern der Anbau von Cannabis (und damit das Züchten) unter Strafe steht.
So unterschiedlich wie die Sorten, so unterschiedlich sind auch oft die Züchter selbst, ihre Lebenssituationen, ihre Einstellung und Erfah­rung. Und das kann sich auf ihre Züchtungen auswirken. jeder von ih­nen hat seine eigene Geschichte zu erzählen, die erklärt, wie die Hanfsorten entstanden sind.
Wir werden euch an dieser Stelle Hanf­züchter vorstellen und sie zu Wort kommen lassen.

Den Anfang macht Gerrit von der niederländischen Hanfsamenbank Magus Genetics.

Gerrit

grow! Hallo Gerrit, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast! Du bist der »Experte« bei »Magus Genetics«, was das Züchten und den Anbau von Cannabis angeht.

Gerrit: Ja, wobei ich mich eher als eine Art »Be­rater« verstehe. Seitdem es in Holland nicht mehr erlaubt ist, Cannabis für Zuchtzwecke anzubauen, bin ich vorsichtiger geworden.

grow! Erzähl uns doch mal kurz, wie du überhaupt zum Cannabis gekommen bist.

Gerrit: Ich hatte schon relativ früh mit dem Zi­garettenrauchen angefangen, und so kam es,     dass ich im Alter von 11 Jahren zum ersten Mal an einem Joint gezogen habe.

grow! Mit 11 Jahren? Warst du da nicht noch etwas zu jung?

Gerrit: Ja, eigentlich schon. Ich hatte damals auch nicht wirklich was davon gespürt. Es war aus einer Gruppendynamik heraus, die mich damals dazu verleitete.
Es hat dann auch noch mal ein paar Jahre ge­dauert, bis ich wieder an einem Joint gezo­gen habe. In meinem Freundeskreis wurde vor allem viel Alkohol getrunken, das Kiffen war da eher eine Randerscheinung. Bis ich 25 Jahre alt war, habe ich eigentlich nur gekifft, wenn ich schon besoffen war, also zusätzlich zum Alkohol. Doch erst als ich mit dem Alko­hol aufgehört habe, und nur noch Cannabis konsumierte, wurde ich zum ersten Mal rich­tig stoned. Das Gefühl kannte ich bis dahin gar nicht, obwohl ich schon seit Jahren hin und wieder kiffte, bis dahin aber immer in Kombination mit Alkohol.

Ich merkte schnell, dass ich ohne Alkohol viel besser klarkam. Es gab keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit, keine der mir vom Alkohol sonst so geläufigen negativen Aspekte traten auf, wenn ich nur Cannabis konsumierte. Ich beschloss, gar keinen Alkohol mehr zu trinken und stattdessen nur noch zu rauchen. Das tat mir sehr gut, denn offensichtlich vertrage ich Alkohol nicht. Es ist fast so, als würde mein Körper allergisch auf Alkohol reagieren. Das bedeutet nicht, dass ich generell etwas gegen Alkohol habe, für meine Freunde zum Beispiel ist immer ein Bier im meinem Kühlschrank. Nur für mich selber habe ich erkannt, dass Al­kohol nichts für mich ist.

grow! Und seitdem hast du keinen Alkohol mehr getrunken?

Gerrit. Genau, es reizt mich nicht mehr und es geht mir ohne Alkohol viel besser. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

grow! Aber du kiffst noch?

Gerrit: Ja, wobei ich anfangs nicht sehr viel und nur nach Feierabend oder am Wochenen­de gekifft habe.

grow! Gab es denn damals schon Coffeeshops, oder wo hast du dich versorgt?

Gerrit: Zu der Zeit fing das gerade an, dass in den größeren Städten die ersten Coffeeshops öffneten. In meinem relativ kleinen Heimat­städtchen gab es aber keine Coffeeshops. Bei uns lief alles über so genannte »Hausdea­ler«.

grow! Und was hast du zu der Zeit geraucht, war das Haschisch oder auch schon Gras?

Gerrit: Eigentlich beides. In erster Linie gab es marokkanisches Haschisch und schwarzen Afghanen, aber mein Hausdealer hatte auch zwei Sorten Marijuana. Anfangs war alles im­portiert, erst etwas später kam auch hollän­disches Indoor-Homegrown dazu.

grow! Und wie bist du dazu gekommen, selbst anzubauen?

Gerrit: Mein Hausdealer starb eines Tages überraschend und ich musste mich wohl oder übel selbst darum kümmern. Ich lernte denje­nigen kennen, der auch schon meinen Haus­dealer mit Cannabis beliefert hatte. Er schlug mir vor, für ihn als Grower tätig zu werden. Dazu versorgte er mich mit Stecklingen und Lampen, sodass ich selbst zum Produzenten wurde.

Gerade in den ersten Jahren war es schwierig, an gutes Equipment zu kommen. Er ermögli­chte mir den Einstieg in das professionelle In­doorgrowing. Mit dem Outdoorgrowing hatte ich schon ein paar Erfahrungen gesammelt, doch das hatte ich mehr aus persönlichem In­teresse gemacht. Dass daraus einmal ein Be­ruf werden würde, wäre mir anfangs nicht in den Sinn gekommen.

grow! Und er zeigte dir auch, was du zu tun hast?

Gerrit: Das Basiswissen hatte ich bereits, der Anbau von Cannabis ist — wenn ein paar Grundregeln beachtet werden — nicht sehr kompliziert.

Doch es stellte sich bald heraus, dass mein Abnehmer nicht sehr zuverlässig war. Es kam vor, dass ich lange auf neue Stecklinge oder auf das Abholen der fertigen Ernte warten musste. Jedenfalls motivierte mich das, un­abhängig zu werden und mich selbst um neue Stecklinge und Abnehmer zu kümmern.

Ich hatte ja bereits einige Samen gesammelt, die sich in dem Gras befanden, das ich ge­raucht hatte. Diese Samen hatte ich zuerst nur Outdoor angebaut, doch dann nutzte ich sie, um meine eigenen Mutterpflanzen und davon die eigenen Stecklinge zu produzieren. Und sie brachten bessere Ergebnisse, als die Stecklinge, die ich zuvor bekommen hatte.

grow! Und so hast du quasi deine eigene Sor­te gezüchtet?

Gerrit: Als »züchten« würde ich dass noch nicht bezeichnen. Ich habe natürlich selek­tiert und mir die besten Pflanzen rausgesucht, aber eigentlich war da auch eine Menge Glück dabei. Anfang der Neunziger Jahre hatte ich eine Sorte, die ich »Warlock« nannte und an Amsterdamer Coffeeshops wie das »Blue Bird« verkaufte.

grow! Und »Warlock« legte den Grundstein für deine Hanfsamenbank?

Gerrit: Im Prinzip schon, aber es dauerte noch ein paar Jahre, bevor 1977 das »Blue Bird« das Warlock beim Cannabis Cup einreichte. Das stellte den eigentlichen Beginn meiner Hanfsamenbank dar.

grow! Das heißt, wer Mitte der Neunziger Jah­re Warlock gekauft hat, hat letztlich Gras von dir bekommen?

Gerrit: Genau, in den ersten Jahren war ich der einzige, der diese Sorte produzierte und verkaufte. Erst als ich die Samenbank hat­te, reduzierte ich die Mengen stark und be­schränkte mich auf den Verkauf von Warlock-Stecklingen an andere Grower, damit die Sorte weiter in den Coffeeshops zu haben war.

grow! Wurde dir die Produktion von Marijuana zu gefährlich?

Gerrit: Der Indooranbau von Cannabis ist ja auch in den Niederlanden nicht erlaubt, und durch die Hanfsamenbank geriet ich immer mehr in die Öffentlichkeit, wodurch das Risi­ko stieg.

grow! Der Anbau von Cannabis für die Samen­produktion war aber damals noch erlaubt?

Gerrit: Ja, bis 1999 war das ohne große Pro­bleme möglich, doch einige Grower nutzten diese Gesetzeslücke zu stark, bis sie dann ge­schlossen wurde und auch der Anbau für die­se Zwecke verboten wurde.

Biddy Earlygrow! Also ist der Anbau von Cannabis auch in den Niederlanden eigentlich illegal?

Gerrit: Nicht nur »eigentlich«. Es gibt Kommu­nen, in denen der Anbau von bis zu fünf Pflan­zen toleriert wird, jedoch nur, wenn die Pflan­zen ohne Hilfsmittel angebaut werden. Und als Hilfsmittel kann auch schon Dünger oder ähnliches gelten.

grow! Mittlerweile verkaufst du aber keine Stecklinge mehr?

Gerrit: Mit dem Stecklingsverkauf hatte ich aufgehört, als ich 2001 meinen Hanfladen er­öffnete. Mit einem solchen Laden konnte ich mir keine illegalen Aktivitäten mehr leisten, denn man steht in der Öffentlichkeit und wird entsprechend beobachtet. Ich wollte nicht das Klischee erfüllen, dass Hanfläden etwas Ille­gales tun, und so habe ich besonders groß­en Wert darauf gelegt, nur legale Produkte zu verkaufen.

grow! Also auch keine Stecklinge …

Gerrit: Ganz genau. Ich hatte eine Vereinba­rung mit der örtlichen Polizei, dass ich keine Stecklinge verkaufen würde, und dafür ließen sie mich in Ruhe. Doch in den Niederlanden sind die Gewinnspannen für Equipment so gering, dass es für einen kleinen Laden sehr schwer ist, ohne den Verkauf von Stecklingen auszukommen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass — zumindest damals — viele Growshops nur durch den Verkauf von Stecklingen über­leben konnten.

grow! Hast du deinen Laden noch?

Gerrit: Nein, der Umsatz war so gering, dass ich davon nicht mal die Miete bezahlen konn­te. Ich musste viel Geld hineinstecken, und das konnte ich irgendwann nicht mehr.

Es war auch recht frustrierend, denn viele mei­ner Kunden haben sich zwar ausführlich bera­ten lassen, gekauft haben sie aber woanders, wahrscheinlich über das Internet …

grow! Ich verstehe, das Problem haben heute viele Läden, nicht nur im Hanfsektor …

Aber lass uns noch mal auf deine Hanfsorten zurückkommen, es blieb ja nicht bei der War­lock …

Gerrit: Im Jahr 2000 war meine zweite Sorte soweit, die ich unter dem Namen »Exile« auf den Markt brachte. Gleichzeitig musste ich meine Preise verdoppeln, um überleben zu können. Interessanterweise verkauften sich die Sorten danach deutlich besser.

grow! Was ja schon ungewöhnlich ist. Norma­lerweise würde man vom Gegenteil ausgehen

Gerrit: Ja, das ist eine der Besonderheiten, die das Hanfsamenbusiness ausmachen. Man verkauft mehr, wenn der Preis hoch ist. Die Erfahrung hatte ich auch mit der Sorte »Bidd­ly Early« gemacht. Sie hatte beim Cannabis Cup den zweiten Platz in der Kategorie Sati­va belegt, was Grund genug gewesen wäre, sie zu einem hohen Preis anzubieten. Doch ich setzte den Preis relativ niedrig an, und bis heute ist sie kein Verkaufsschlager. Im Ver­gleich zur »Double Dutch«, die doppelt so viel kostet, verkauft sich die Biddy Early nicht so gut. Selbst wenn mich Kunden nach meiner Meinung fragen und ich ihnen die Biddy Early empfehle, denken sie kurz nach und entschei­den sich dann doch für die deutlich teurere Double Dutch. Aber so scheint der Markt zu funktionieren …

grow! Welche Erfahrungen hast du beim An­bau gesammelt, welche Substrate kannst du empfehlen?

Gerrit: Ich habe über zwölf Jahre lang eine sehr hochwertige Erde benutzt, die norma­lerweise in professionellen Gärtnereien zum Einsatz kommt. Sie enthält bereits alle Nähr­stoffe, ich musste also nur noch Wasser dazu geben. Einfacher geht es nicht.

grow! Du brauchtest keinen zusätzlichen Dün­ger?

Gerrit: Es war bereits alles da drin. Ich be­nutzte relativ große Töpfe mit einem Volu­men von 7,5 Liter. Die Stecklinge ließ ich etwa lo Tage wachsen, bevor ich sie in die Blüte schickte. Aufgrund der lockeren Bodenstruk­tur konnten sich die Wurzeln gut ausbreiten und fanden so ihre Nahrung selbst. Ab der sechsten oder siebten Blütewoche begangen zwar die Blätter gelb zu werden, aber solange die Blüten ihre grüne Farbe behielten, war das kein Problem.

Es funktionierte sehr gut, und ich hätte es wohl nicht verändert, wenn ich nicht meine Anbaufläche stark reduziert hätte. Diese pro­fessionelle Erde kann man nur Lkw-Weise bestellen, mindestens 5 Paletten auf einmal. So­lange die Anbaufläche groß genug ist, war es auch kein Problem, die zu verbrauchen. Aber bei einem relativ kleinen Raum war das dann nicht mehr wirtschaftlich.

Ich habe auch gute Erfahrungen mit Kokosfa­sern gemacht. Die enthalten zwar kaum Nähr­stoffe, es muss also zusätzlich gedüngt wer­den, dafür kann man sie wiederverwenden – solange sie nicht überdüngt wurden. Ich habe sie bis zu viermal verwendet, erst dann waren die Fasern so zerfallen, dass ich sie er­setzte.

grow! Hast du eigentlich jemals Probleme mit der Polizei wegen des Anbaus von Cannabis bekommen?

Gerrit: Nein, zum Glück nicht. Ich habe mich immer bemüht, nicht zu viel darüber zu reden und nicht aufzufallen.         In meinem Heimatort wissen nur wenige Leute, dass ich im Hanfsa­menbusiness bin. Und es wissen nur wenige Leute, dass es überhaupt ein Hanfsamenbusi­ness gibt. Den meisten Menschen, selbst hier in Holland, ist nicht bewusst, dass es derar­tige Unternehmen gibt.

Ich denke, dass das Verbot von Cannabis dazu beiträgt, dass so kleine Unternehmen wie meines überhaupt eine Chance auf dem Markt haben. Wäre es legal möglich, Cannabis anzu­bauen und zu züchten, wären bestimmt ganz schnell große Firmen am Start, die mit ihrem Geld und ihrer Macht alles an sich reißen wür­den. Und dann ließen sich auch nicht mehr die hohen Preise aufrecht erhalten, die heute für die meisten Sorten verlangt werden.

Ich will mich nicht beschweren, denn letztlich profitiere auch ich von dieser kontroversen Si­tuation …

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